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Ausbildungsangebot des Monats - März 2006

Landwirt/in plus Abitur

Anbieter:
Staatliche Berufsbildende Schule Schwerstedt in Thüringen

 
 
 
 

Imagewechsel auf dem Land - Mehr als Traktor fahren

Die Landwirtschaft ist eine Branche, die mit vielen Klischees behaftet ist. Landläufig herrscht oft die Meinung, dass Bauern nur mit Gummistiefeln und Heugabel herumlaufen, was aber wenig mit dem modernen Berufsprofil zu tun hat. Denn die professionelle Arbeit mit Traktor und Pflug, Rindern und Geflügel erfordert weit mehr als Tierliebe und Muskelkraft (Foto: Schneidwerkmaschine im Ernteeinsatz).

Gut 17 Millionen Hektar werden in Deutschland landwirtschaftlich genutzt. Dass die Landwirtschaft damit nicht nur ein tragender Wirtschaftspfeiler in Deutschland, sondern auch im europäischen Staatenverbund ist, liegt auf der Hand. Um den hohen Produktionsstandard zu sichern, braucht das Agrarmanagement daher schlaue und findige Köpfe, die auch keine Scheu vor hochmoderner Technik haben. Denn High-Tech ist auf dem Land heute Standard. Buchhaltung, Bestandserfassung, Produktionsplanung, rechtliche Verordnungen und Umweltschutz gehören ebenso zum Alltag des Landwirts wie pflügen, säen, ernten, füttern oder melken. Zur Grundausstattung zählt deshalb auch ein Computer, in dem nicht nur der gesamte Tierbestand einschließlich aller Angaben über Herkunft, Fütterung und mögliche Krankheiten, sondern zum Beispiel auch die detaillierten Ergebnisse von Bodenproben, Düngerationen und Pflanzenschutzmittel-Anwendungen gespeichert sind.

Dass der Beruf viel Engagement fordert, weiß Landwirt Wilhelm Schäfer: "Man muss unbedingt bereit sein, viel Arbeit auf sich zu nehmen. Als "Mädchen für alles" sitze ich aber häufiger am Schreibtisch als auf dem Traktor, denn ich führe über alles, was auf den Äckern abgeerntet wurde, genau Buch. Und abends kümmere ich mich um andere Dinge: Kulturpflege, Messer schärfen, Dieseltanks der Traktoren füllen." Trotz seines langen Arbeitstages ist es aber dennoch eine hoch befriedigende und spannende Tätigkeit: "Man sieht seine Arbeit förmlich wachsen, hat schnelle Erfolge und bewegt ständig was."

Die Mischung aus Technik, Natur und Betriebswirtschaft reizte auch Madlen Blochberger, die ihre Ausbildung zur Landwirtin bei der Agrar GmbH in Dorfilm absolviert: "Es ist aufregend zu sehen, wie sich ein landwirtschaftliches Unternehmen weiterentwickelt und wie Einnahmen und Ausgaben zusammenhängen. Besonders viel Spaß macht mir dabei der Umgang mit Tieren und Technik."

Wo früher aber hauptsächlich für den Eigenbedarf angebaut wurde, sind Agrarbetriebe heute aufgrund des wirtschaftlichen Drucks stärker denn je gefordert, flexibel und strategisch zu denken. Führungskräfte auf dem Land müssen daher neben vielseitigen Fachkenntnissen, Managementqualitäten und Organisationstalent auch eine gehörige Portion Ideenreichtum mitbringen, um ihr Einkommen zu sichern. So spezialisieren sich viele Landwirte auf bestimmte Betriebsformen wie Milchviehhaltung oder Bioanbau und entwickeln gleichzeitig neuartige Marktkonzepte: Hofläden mit Direktverkauf, Gastronomie, Pensionsbetriebe mit Streichelzoo, Wellness-Oasen oder Familienurlaub auf dem Bauernhof - auf dem Land ist Vielfalt und hohe Kompetenz gefragt.

Grünes Licht für aufstrebende Landwirte

Der neue Ruf der Landwirtschaft scheint sich langsam herumzusprechen und auch junge Leute verstärkt anzulocken, die nicht auf einem Hof oder zumindest auf dem Land aufgewachsen sind. Allein im Jahr 2005 wurden bundesweit 14.800 neue Ausbildungsverträge zum Landwirt/in geschlossen. Doch ist der Bedarf an gut ausgebildeten Landwirten vor allem im Osten Deutschlands noch immer sehr groß.

Deshalb hat das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt eine neue Qualifizierungsoffensive zum Ausbildungsjahr 2005/2006 gestartet. Angehende Landwirte können jetzt parallel zur Ausbildung die Allgemeine Hochschulreife erwerben und sich damit vielfältige Karrierewege sichern. Denn bundesweit haben bislang nur etwa vier Prozent aller Auszubildenden zum Landwirt/in das Abitur.

"Mit dem Bildungsweg wird eine neue Generation von Führungskräften für die Landwirtschaft herangebildet," begründet Thüringens Landwirtschaftsminister Dr. Volker Sklenar die Idee. "Die Landwirtschaftsbetriebe, die mit diesen jungen Menschen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, bilden ihre künftigen Führungskräfte nicht nur selbst aus, sondern begleiten deren Entwicklung auch während eines späteren Studiums an einer Hochschule. Die Vorteile für die Betriebe liegen auf der Hand: Sie erhalten motivierte und gut ausgebildete junge Führungskräfte, die den Betrieb kennen, sich mit diesem identifizieren und die somit jederzeit ohne lange Einarbeitungszeit eingesetzt werden können".

Am Schulprojekt beteiligt sind außerdem das Thüringer Kultusministerium und der Thüringer Bauernverband.

Foto: Die ersten Auszubildenden bei der offiziellen Eröffnungsfeier

Der Weg zum Landwirt/in plus Abitur

Der Ausbildungsgang "Landwirt/in und allgemeine Hochschulreife" dauert insgesamt vier Jahre. Während der ersten drei Jahre erhalten die Auszubildenden eine verstärkte Theorieausbildung, welche der 11. Klasse einer allgemein bildenden Schule entspricht. In den Blockunterrichtsphasen besuchen die Auszubildenden an zwei Tagen pro Woche die Berufsschule, wo sie die agrarwirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten lernen und an drei Tagen das Berufliche Gymnasium für Wirtschaft und Verwaltung in Weimar. Dort erhalten sie den allgemein bildenden Zusatzunterricht in Deutsch, Mathematik, Sozialkunde und in den Naturwissenschaften.

Dass die Ausbildung interessant und abwechslungsreich ist, zeigt der Stoffplan der Berufsschule. Die angehenden Landwirte lernen zum Beispiel Acker- und Pflanzenbau, Tierzucht und -pflege, Agrartechnik, Pflanzenschutz, ökologische Landwirtschaft, Berechnung von Futterrationen und Düngemittel, Feilen, Löten, Bohren, Lager- und Vorratshaltung, Vermarktung von Verkaufserzeugnissen, Arbeitsschutz und Unfallverhütung, Buchführung und Kalkulation sowie rechtliche Verordnungen.

Hellauf begeistert vom Unterrichtsstoff und den Lernbedingungen ist Markus Bertuch, Auszubildender in der Agrar GmbH Mauderode-Herreden: "Während der betrieblichen Ausbildung freue ich mich schon immer auf die Berufsschule. Wir haben tolle Fächer, wovon mir vor allem Acker- und Pflanzenbau und Agrartechnik gefallen, und auch gute Lehrer."

Foto: Die Staatliche Berufsbildende Schule Schwerstedt im
frisch renovierten Schloss

Nach der Berufsabschlussprüfung zum Landwirt/in am Ende des dritten Ausbildungsjahres setzen die Teilnehmer im vierten Jahr zum Endspurt an. Sie absolvieren die 12. Klasse in Vollzeitform auf dem Beruflichen Gymnasium in Weimar und erwerben am Ende das Vollabitur. Mit ihrem Schülerstatus erhalten die Junglandwirte im letzten Jahr zwar keine Ausbildungsvergütung mehr, haben aber dafür Anspruch auf Schüler-BAföG.

Formales

Für die Teilnahme müssen Interessenten neben einem abgeschlossenen Ausbildungsvertrag mit einem Thüringer Landwirtschaftsbetrieb den Realschulabschluss mitbringen und die Aufnahmebedingungen für das Berufliche Gymnasium erfüllen.

Der Ausbildungsverlauf sieht vor, dass die Schüler am Ende jedes Schuljahres ein Zeugnis des beruflichen Gymnasiums erhalten. Nach erfolgreichem Abschluss des dritten Ausbildungsjahres bekommen sie zusätzlich ein Abschlusszeugnis der Berufsschule mit dem speziellen Vermerk ausgestellt: Das Zeugnis gilt für den Abschluss der Berufsschule im doppelt qualifizierenden Bildungsgang "Landwirt/in und allgemeine Hochschulreife".

Vielfältige Perspektiven...

Viele Landwirte übernehmen nach der Ausbildung den elterlichen Hof oder arbeiten in landwirtschaftlichen Großbetrieben. Andere sind in Versuchsanstalten, im Groß- und Einzelhandel oder als Berater tätig. Da es in der Landwirtschaft aber kontinuierliche Entwicklungen und Neuerungen gibt, müssen Landwirte auf dem aktuellsten Wissensstand bleiben. Mit dem Vollabitur stehen den "frisch gebackenen" Landwirten somit alle Türen der beruflichen Fortbildung offen. Ob als Fachagrarwirt, Landwirtschaftsmeister, Techniker, Betriebswirt, Bachelor oder Master eines agrarwissenschaftlichen Studiengangs, die Wege in eine erfolgreiche Existenz als selbständiger Jungunternehmer oder Angestellter sind mit dem Abitur geebnet.

Zu ihren Zukunftsplänen befragt, möchte sich Madlen Blochberger zunächst ein zweites Standbein sichern und zieht daher ein Hochschulstudium dem direkten Weg auf den Hof vor: "Als erstes möchte ich die vier Jahre gut durchstehen und einen guten Abiturdurchschnitt erreichen. Danach würde ich gerne Tierärztin oder Agrar-Ingenieurin werden." Als bodenständige Junglandwirtin verliert sie aber trotz allem nicht den nötigen Realitätssinn und fügt hinzu: "Aber so genau kann man das alles nicht planen, weil man nicht weiß, was morgen passiert oder ob man sich das Studium überhaupt finanziell leisten kann."

Auch Markus Bertuch will zukünftig hoch hinaus und als Führungskraft in der Landwirtschaft Fuß fassen: "Wenn alles mit dem Facharbeiterabschluss und Abitur klappt, studiere ich Landwirtschaft, um später einmal einen Betrieb zu leiten."

Für beide Azubis steht damit bereits fest, dass sie später weitaus mehr Aufgaben bewältigen werden, als nur Traktor zu fahren.

Foto: Die Auszubildenden Madlen Blochberger und Markus Bertuch

Kontakt:

Staatliche Berufsbildende Schule Schwerstedt
Parkweg 90
99439 Schwerstedt
Schulleiterin: Frau Margitta Uhlich
Tel.: 036452 70944
Fax: 036452 70898
Mail: sbbs.schwerstedt@t-online.de
Internet: www.sbbslw.ap.th.schule.de

Weitere Informationen zum Ausbildungsgang gibt es auch in der Datenbank von AusbildungPlus unter "Suche nach Ausbildungsangeboten" mit dem Stichwort "Landwirt".